Über den Tellerrand: TYPO3 – Send your Junior

TYPO3-Entwickler wachsen nicht auf den Bäumen, zudem müssen die Guten mit der Lupe gesucht werden. Das ist schon lange so und bedeutet für DFAU, dass wir selbst nach Lösungen suchen. Indem wir gezielt die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter fördern und Raum geben, um Wissen und Persönlichkeit zu entwickeln. Und vor allem: Indem wir selbst ausbilden.

Große Vorhaben also, die viele kleine Schritte erfordern. Doch da wir seit Jahren auf den eigenen Nachwuchs setzen und ausbilden, wiederum nichts Neues. Das „Send a Junior“-Programm allerdings, das die TYPO3 GmbH in Düsseldorf anbietet, ging nun über den Level hinaus, den unsere Azubis gewohnt sind: Drei Monate in einer fremden Stadt, von der TYPO3 GmbH betreut und doch ganz auf sich gestellt, quasi Standby beim Core-Team der Entwickler. Das ist mehr als ein Blick über den Tellerrand, das ist ein kompletter Wechsel der Sichtweise. Einer, den wir in dieser Form „drinnen“, im Unternehmen, gar nicht anbieten könnten.

Für uns war dieses Vorhaben genauso Neuland wie für unseren Azubi: Henrik Elsner, 20, knapp zwei Jahre bei DFAU. Henrik war vom 10.04 bis zum 07.07. in Düsseldorf ist mit einer Menge neuer Eindrucke zurück gekommen. Für DFAU eine tolle Erfahrung, für Henrik erst recht. Und en passant konnten wir etwas an die TYPO3-Community zurückgeben.

Auf ein Wort mit Henrik:

 

Henrik, du bist wer und/oder was?

Ich bin der Azubi von Tom (Thomas Maroschik, Entwickler im Core Team und Geschäftsführer DFAU), das kommt immer gut an! Im Ernst: Ich bin Azubi im zweiten Lehrjahr bei DFAU, Richtung „Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung“.

Drei Monate Düsseldorf - die Stadt ist wie?

Der Rhein ist cool, in der Stadt ist jede Menge los.

Du warst bei der TYPO3 GmbH, direkt beim Core Team. Was ist TYPO3, was ist das Core Team?

TYPO3 ist ein Content-Management-System für Websites und das Core Team entwickelt das Kernsystem, mit dem die Agenturen später die Websites bauen. TYPO3 ist Open Source und wird neben einer internationalen Association in Deutschland von der TYPO3 GmbH betreut. Dort gibt es ein sogenanntes „Junior Programm“, wo Unternehmen ihre Mitarbeiter beispielsweise drei Monate zum Kern-Entwicklungsteam entsenden können. Das bringt etwas für die Entwickler-Community, das hilft bei der Weiterentwicklung des Systems und, natürlich, man lernt als Entwickler quasi direkt im Maschinenraum. 

Wie sah das konkret aus?

Viel läuft online, über Messenger und über das Review-System, in dem alle Pushes und Patches geprüft und freigegeben werden. Und natürlich über Tickets. Es geht darum, sich dort Schritt für Schritt in sämtliche Prozesse einzuklinken, also selbst das ein oder andere zu prüfen und freizugeben, zu sehen, wo Blockaden in der Entwicklung sind und natürlich auch darum, das ein oder andere zu programmieren. Dazu sucht man sich die jeweiligen Experten, mit denen man sich bespricht, die einem helfen, ein Problem zu lösen.

War der Einstieg einfach?

Es kommt darauf an, was man sich aussucht ... das geht von Tippfehlern bis hin zu Code, den man nicht mal im Ansatz kennt, doch genau so lernt man am besten.

Du hast bei DFAU in Fürth mit Tom jemanden, der ebenfalls im Core Team entwickelt. Was war jetzt in Düsseldorf anders?

Gute Frage ... mit Tom nimmt dich jemand an die Hand, schubst dich an, damit du allein laufen kannst und wenn es sein muss, trägt er dich auch mal über die Ziellinie. Das war in Düsseldorf anders. Hier muss du selbst schauen, wie dich der „Entwicklungsstrom“ trägt, hier stellst du dir deine Aufgaben selbst. Ich hatte beispielsweise nach ein oder zwei Wochen Lust, selbst zu entwickeln und Christian und Frank (Anmerkung: Entwickler im Core-Team) hatten gleich Aufgaben für mich. Gerade mit Frank habe ich dann mehrere Wochen lang direkt zusammengearbeitet.

... viel Stillarbeit ...

Guter Anschluss zu der vorhergehenden Frage. Wenn man jemanden wie Tom direkt neben sich im Büro hat, dann hat man natürlich auch schneller die Lösung. Auf sich selbst gestellt zu sein wiederum hat den besseren Lerneffekt. Da muss man ab und an frustrationstolerant sein. Allerdings sollte man das als Informatiker ja sowieso sein.

Wie sah das dann didaktisch aus?

Anja, die auf der Geschäftsstelle arbeitet, hat mir den Aufbau der Arbeitsweise gezeigt, das A&O, auch hier. Im Grunde ist das Junior-Programm ein wenig wie ein Selbstlernkurs, nur dass es den entscheidenden Unterschied hat, eben nicht zuhause in der Komfortzone zu sein. Was am allerwichtigsten ist: Wir bekommen Zeit, die Probleme und Aufgaben selbst anzugehen, das ist im Grunde das Besondere an dem Programm. Es ist eine Art „in Klausur gehen“. Und man trifft natürlich den ein oder anderen Core-Entwickler, in meinem Fall Benni, Christian und Olly, die vor Ort waren.

Hast du das Gefühl, dass sich dein Blick auf das System verändert hat?

Auch wenn mir kein direktes Beispiel einfällt - ich habe den Eindruck, dass insgesamt klarer geworden ist, was man tut. Das alles offener geworden ist. Mit Frank gemeinsam an einer Extension zu schreiben, hat riesigen Spaß gemacht. Ich kenne jetzt die Stellen im Code, die ich brauche, ich kann ein Problem schneller und besser lösen.

Dein Resümee der drei Monate: Was hat es gebracht?

Erfahrung. Von zuhause weg zu sein, ein neues Umfeld, andere Arbeitsweisen und andere handelnde Personen kennen zu lernen.

Ein prickelnder Moment in Düsseldorf war ...

Auf jeden Fall, als ich mit Christian Kuhn im Raucherraum gesessen habe (Anmerkung: Henrik ist Nichtraucher) und er mich mit seinem Wissen komplett überrollt hat, bei der schlechtesten Luft, die ich jemals geatmet habe. Ich hab dabei so dermaßen viel mitgenommen und dann gedacht, mir platzt der Schädel, allerdings nicht nur von der Luft. Das war unglaublich cool. Und dann, als das Core Team zum zweiten Mal kam. Man kannte sich, das war so herzlich und auf Augenhöhe, wunderbar.

Weniger prickelnd war ...

WG-Leben. Ist nicht so meines. Und eine Klimaanlage habe ich vermisst. Das Gebäude war eingerüstet und mit einer Plane umgeben. Wir konnten nicht lüften und hatten im Büro stabile 30 Grad. Aber das geht auch vorbei.

 

Das Programm der TYPO3 GmbH

„Send a Junior“ heißt das Programm, das die TYPO3 GmbH ihren Mitgliedern anbietet. Dabei können Unternehmen ihre Entwickler für einen verabredeten Zeitraum nach Düsseldorf schicken, zum Core-Team der TYPO3-Entwickler. Über den Ausbildungs- und Wissensstand der abgestellten Mitarbeiter wie auch die innerbetriebliche Zielsetzung entscheiden die Unternehmen selbst. Allerdings sollte nicht nur das System bekannt sein, sondern ebenso eine Reihe von Technologien ausreichend beherrscht werden wie GIT, PHP, Datenbanken wie MySQL, Java und Fluid.

Wer mit einem TYPO3-Core-Entwickler als Mentor zusammenarbeitet, sollte also schon ein ausreichend ernst zu nehmender Sparringspartner sein. Der Rest ist einfach: Die Unternehmen zahlen das Gehalt ihres abgestellten Mitarbeiters, die TYPO3 GmbH den Kaffee vor Ort.

Weitere Informationen: https://typo3.com/our-services/send-your-junior/


Henrik zu Beginn seiner Ausbildung 2015